Was ist Bahnsport?

Bahnsport ist ein Motorrad-Rennsport, der auf ovalförmigen 400 bis 1000 Meter langen Sand- oder Grasbahnen gefahren wird.

Es fahren vier bis sechs Fahrer einen Lauf über vier Runden, dafür gibt es Wertungspunkte.

Jeder Fahrer absolviert während eines Renntages mehrere Läufe.

Je nach System gewinnt der Punktbeste oder der Sieger des Endlaufs.

Für viele Fans sind die Gespanne das «Salz in der Suppe» 

Die Rennstrecken sind für die Zuschauer von jedem Platz komplett einsehbar und die Fahrerlager für die Fans frei zugängig.

Exkurs in die Technik

Die verwendeten Motorräder sind reine, speziell für den Bahnsport entwickelte Prototypen.

Bei den Gespannen ist das Motorrad in Fahrtrichtung nach links geneigt, der Beiwagen ist rechts fest angebracht.

Die Gespanne werden von ca 75-80 PS starken Einzylinder 500 ccm Viertakt-Motoren angetrieben.

Befeuert werden die Motoren mit reinem Methyl-Alkohol, geschmiert mit Ölen auf Rizinusbasis. 

Das Getriebe hat zwei Gänge, der erste wird nur für den Start benötigt.

Bremsen sind im Bahnsport generell verboten.

Ein Bahnsport-Gespann muss mindestens 115 kg wiegen.

 

Der Bahnsport aus der Sicht eines Autors

Im Buch "Faszination Motorrad-Gespanne" beschreibt der Autor den Bahnsport wie folgt:

"Der Dreck spritzt meterhoch. Die Zuschauer, die direkt an der Bande des Rennovals stehen halten sich schützend ihre Hände vors Gesicht. Zwei Reihen weiter hinten schwenken ein paar Schlachtenbummler ihre Schals und Fahnen. Ihre Jubelschreie hört man nicht. Sie werden vom lauten Gedröhne einer Armada driftender Bahnsportgespanne übertönt.

Ausgangs der Gerade bricht plötzlich ein Gespann aus -schleudert wie ein Gummiball unkontrolliert über die Piste- und fängt sich wieder. Die Zuschauer reisst es von den Sitzen. Sie beruhigen sich erst als der Pulk wieder geschlossen in die nächste Gerade hineinprescht. Rad an Rad kämpfen die Fahrer um jeden Zentimeter der festgewalzten Rennbahn.

Wäre da nicht das Gedröhn und Stampfen der bärenstarken Viertakt-Motoren, so könnte man meinen, Zuschauer bei einem römischen Wagenrennen zu sein. Anstelle der Zügel für einen Sechsspänner haben die modernen Kämpfer den Lenker mit Gasgriff und Kupplung in der Hand. Doch die Kupplung wird nur einmal gebraucht – beim Start.

 Job des Beifahrers ist es, dem Gespann die optimale Traktion zu verschaffen. Auf den Geraden weit hinten, damit das Hinterrad nicht zu sehr durchdreht. In den Kurven legt er sich so weit wie möglich nach innen, um ein Überschlagen des Gespannes zu verhindern. Gebremst wird in diesem rauhen und schnellen Sport nie. Bremsen sind im Bahnsport verboten. Die Bahnsportler könnten den Spruch: „Wer bremst, verliert!“ erfunden haben.

 Verzögert wird bestenfalls mit der Gashand. Vor der Kurve machen die Piloten für den Augenblick eines Lidschlags das Gas zu. Durch die starke Kompression der hochverdichteten Motoren bremst das so stark, dass das Hinterrad ausbrechen möchte. Jetzt ist der Punkt erreicht, wo der Drift beginnt. Fahrer und Beifahrer müssen ihre Bewegungen innerhalb dieser Zehntelsekunde koordinieren, sonst fliegen sie von der Bahn. In der Mitte der Kurve sind die Gespanne gut und gerne 90 km/h schnell. Die einzige Kraft, die jetzt noch bremst, ist die Querbeschleunigung. Die Kurve ist geschafft, jetzt geht es auf die Gerade.

 Der Motor zerrt mit über 80 PS verbissen am Hinterrad. Auf den Geraden im Rennoval werden Geschwindigkeiten von 140 km/h und mehr erreicht. Dabei macht sich der Fahrer samt seinem Co so flach wie möglich. Doch das tun die beiden Akrobaten nicht wegen des cw-Wertes allein. Sie versuchen auch, dem Motorrad die optimale Traktion zu verschaffen. Wird das Vorderrad zu sehr entlastet, leidet die Lenkfähigkeit. Für diesen Sport muss man schon eine Menge Talent mitbringen, sonst bricht man sich vor Waghalsigkeit den Hals. Gespannfahrer müssen eben das totale Gefühl im Lenker haben.

 Die Jagd nach dem besten Start entscheidet oft das Rennen. Wer die Nase am weitesten vorne hat, kann sich die Ideallinie aussuchen. Dies ist meist die kürzeste auf der Rennbahn. Alle anderen haben einen weiteren Weg, müssen daher den Motor stärker strapazieren um nach vorne zu kommen, oder schlucken ganz einfach den aufgewirbelten Dreck des Gespannes vor ihnen. Diese Tortur gleicht einem Sandsturm in der Wüste. Sichtschutzsysteme gewähren den Vollgasartisten freie Sicht, eine sandgestrahlte Brille ist matt wie ein scherben Milchglas. Wer auch nur ein paar Millimeter des Gesichtes offen lässt, sieht hinterher aus wie ein gerupftes Huhn."


"Setze deine Ziele hoch, und höre nicht auf, bis du ankommst."

Bo Jackson